Sehr wertvoll ist es, kleine Rituale zu erfahren. 

Rituale verstärken Gedanken und Worte und lassen sie erfahrbar werden.

Gerade Erinnerungen werden greifbar durch Riten und Symbole.

 

Aber auch das Ausdrücken und Ausleben von Gefühlen, das Rauslassen, das Gestalt werden lassen, kann sehr hilfreich sein. Dazu am Ende dieses Kapitels mehr.

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Rituale:



Schatzkiste

Suchen Sie eine Kiste, einen Schuhkarton etc. evtl. verzieren sie diese Kiste, malen sie gemeinsam an, schreiben den Namen des Verstorbenen darauf. Möglich ist, diese Kiste mit einem schönen Tuch auszukleiden.

Wenn es eine Familienkiste wird, ist jeder eingeladen einen Gegenstand, ein Photo ...heraus zu suchen, das an den Verstorbenen besonders erinnert. Das kann etwas sein, das der Verstorbenen geschenkt hat, etwas, das an einen gemeinsamen Ausflug erinnert, eine Postkarte, oder ein Brief...alles und jedes...wichtig ist, sich einen Gegenstand heraus zu suchen, der besonders an den Verstorbenen erinnert.

Jeder legt seinen Gegenstand hinein. Evtl. erzählt jeder, warum es dieser Gegenstand ist, erzählt die Geschichte dazu... 

Diese Kiste kann an einen besonderen Platz gestellt werden. Jeder, der mag, kann sie heraus holen, öffnen, hinein schauen.

Manche Familien stellen diese Kiste mit Schätzen der Erinnerung an Festtagen an einen besonderen Platz (unter den Weihnachtsbaum, an die Krippe, neben ein Photo, an den Platz, an dem dieser Mensch sonst immer gesessen hat...)

Möglich ist auch, dass sich jeder eine eigene Schatzkiste zurecht legt.

Wir haben oft viele Gegenstände, die erinnern...sich in Ruhe mit all diesen Gegenständen auseinander zu setzen ist eine schöne Möglichkeit, sich zu erinnern....und irgendwann kann man sich sogar entscheiden, welches DER Gegenstand der Erinnerung sein soll, der in die Schatzkiste hinein finden darf.

Vielleicht gibt es keine Erinnerungsstücke, dann kann man auch Gegenstände suche, wie Muscheln, Steine....die man zu Symbolen werden lässt, die an den Verstorbenen erinnern.

 

 


Bilder anschauen...Geschichten dazu erzählen

Häufig besitzen wir Photos oder Postkarten, Briefe...sie sind besondere Erinnerungshilfen.

Allerdings sollte es nicht dabei bleiben, diese Bilder einfach anzuschauen. Erzählen Sie, oder lassen Sie sich erzählen, wann diese Photo gemacht wurde, die Karte geschrieben wurde....vielleicht können Sie sich an das Fest oder den Ausflug erinnern, was dort besonderes war, was es zu essen gab, welche Musik, ...und evtl.fällt Ihnen sogar ein, was die verstorbenen Person damals gesagt hat....laden Sie Ihre Kinder ein, zu erzählen, ....

 

Setzen Sie sich gemeinsam hin, schauen in Photoalben oder suchen Sie Bilder aus dem PC aus, die sie in ein Erinnerungsbuch (siehe unten) kleben möchten.

 

 

 

Schmunzelsteine

 

 

 

Schmunzelsteine kann man kaufen...oder auch selber machen.

Ein Stein mit einem Schmunzelnden Gesicht oder einfach einem Schmunzelmund darauf.

Dieser Stein lädt ein, ihn in die Hand zu nehmen...immer dann, wenn wir traurig sind, oder uns allein fühlen...das Schmunzeln anschauen und dann die Augen schließen....

 

 

Kinder und Erwachsene können mit dem Stein in der Hand auf ganz besondere Weise Erinnerungen pflegen.

  • Wann hast du das letzte mal so richtig mit  ...(dem Verstorbenen) gelacht? Was war da los?,
  • Gibt es etwas, das ihr beide gern zusammen gemacht habt?
  • Wann haben Sie sich kennen gelernt?
  • Können Sie sich an den Heiratsantrag erinnern?

Angeregt durch eine Frage ist es schön, sich in Gedanken an all diese wunderbaren Momente zu erinnern...und oft gelingt es, dass ein eigenes Lächeln oder Schmunzeln aufkommt.

Ein Schmunzelstein möchte also einladen, sich an Schönes und Besonderes, an wundervolle Momente und lustige Begebenheiten zu erinnern...um so aus den schweren und traurigen Gedanken für einen Augenblick heraus zu finden.

 


Erinnerungsbuch erstellen (mit selbst gemalten Erinnerungsbildern)

 

Es gibt die unterschiedlichsten Erinnerungsbücher auf dem Markt. Sie zu füllen mit Gedanken, Photos, Erinnerungen ist etwas sehr hilfreiches, das in der Trauer begleiten kann.

Es ist aber auch leicht möglich, ein ganz persönliches Erinnerungsbuch zuerstellen:

Ein besonderes Buch kaufen, leere Seiten, Deckel verzieren oder gestalten...

Jede Seite individuell füllen: mit Photos, Gedanken, Ereignissen, Postkarten, Eintrittskarten....

Evtl. wäre es auch schön, wenn die Seiten von unterschiedlichen Menschen gefüllt werden: Familienangehörige, Verwandte, Freunde, Kollegen.....so entsteht ein Erinnerungsstück, das besonders wertvoll wird.

Sammeln Sie alles, was über die verstorbene Person zu sammeln ist: Lieblingseis, wie ist die Person mit Spinnen umgegangen, was mochte sie, was gefiel ihr gar nicht, Lieblingsrezepte, - Gerichte......lassen Sie das Erinnerungsbuch eine Schatzkiste der Erinnerungen werden. Wie ein Nachschlagewerk kann jeder immer wieder darin blättern und etwas über die Person erfahren, nachlesen, neu erinnern...

Das alles muss nicht kronologisch sein.....so habe ich alle, die eine bestimmte Person kannten eingeladen, eine Seite zu schreiben oder mit Photos zu füllen und habe dann alles zu einem Buch binden lassen.....am Ende des Buches sind leere Seiten eingefügt für weitere Erinnerungen..

 

 

Weitere Möglichkeiten für Rituale und Erinnerungen sind:

 

  • Orte aufsuchen, die mit schönen Erinnerungen verbunden sind
  • Musik hören, die gemeinsam oder insbesondere an den/die Verstorbenen erinnert.
  • Steine gestalten: einen Stein suchen, ihn bemalten und auf das Grab legen
  • eine Plakatpappe auswählen, Orte darauf zeichnen (mit Photos, Stichworten etc ergänzen), eine Ortsangaben und Stickworte zu diesem Ereignis, dieser Erinnerung...es entsteht eine Erinnerungslandkarte, die immer weiter ergänzt werden kann....an einem Platz aufgehängt wirkt sie noch einmal anders      .....

 

an Weihnachten:

so verbinden Sie sich mit dem Verstorbenen an diesem Festtag

  • eine Christbaumkugel mit dem Namen des Verstorbenen verzieren und ihn an eine ausgesuchte Stelle im Weihnachtsbaum hängen
  • eine Christbaumkugel bemalen und sie gemeinsam am Weihnachtsfest zum Grab bringen
  • aus dem Weihnachtsbaum einen Zweig auswählen, abschneiden und gemeinsam am Weihnachtstag zum Grab bringen
  • einen Stern für jeden basteln und darauf einen Wunsch oder Gedanken für den Verstorbenen schreiben/malen, zum Grab bringen
  • wenn die Oma immer Plätzchen gebacken hat, dies gemeinsam ganz bewusst in Erinnerung an sie übernehmen (heute backen wir, so wie Oma das sonst für uns gemacht hat)   

 

 

an Ostern

  • einen Forsytienzweig ans Grab bringen
  • ein Osterei verzieren und ans Grab bringen
  • Am eigenen Osterstrauch ein Osterei mit dem Namen des Verstorbenen oder einem Symbol versehen, anbringen
  • einen Osterkuchen backen und ihn bewusst mit Erinnerungsgeschichten dabei verzehren

 

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Gefühle ausdrücken

 

Gefühlen ausdrücken und sie raus lassen, bedeutet sie auszuleben und eben nicht zu unterdrücken. Das kann die Erfahrung von Befreiung herbeiführen.

Hier sind einige wenige aufgeführt.....

 

 

Ein großes Gefühl, dass sich auch bei Kindern häufig einstellt ist: Wut.

Wut auf den, der nicht mehr lebt, Wut auf die Krankheit, die das verursacht hat, Wut auf die Menschen, die das nicht verhindern konnten, Wut auf sich selbst........

Ganz ohne dieser Wut eine Zuordnung zu geben oder darüber zu reden, ist es möglich diesem Druck in uns, Raum zu geben...dass die Wut raus kann.

Viele von uns kennen die Reaktion: aufs Bett schmeißen und das Kissen boxen, vor die Wand treten.....vor Wut überkochen..

Geben Sie diesem Gefühl Raum und Chance raus zu kommen, ohne Verletzungen bei dem Betroffenen selbst oder anderen herbeizuführen:

in den Wald gehen oder auf ein abgelegenes Feld.....trauen Sie sich mit dem Kind einfach mal, alles an Wut rauszuschreien...so laut und lang wie es möglich und nötig ist. Wenn Sie ihre erste Scheu erst einmal überwundern haben und auch das Kind, werden Sie merken, wie befreiend das ist....sich leer schreien, alle Wut heraus lassen....bis zur Erschöpfung....übrigens folgt auf dieses Schreiattacke nicht selten ein befreiendes lachen über den Krach, den man selbst gemacht hat.....

      

 

Wut-Steine werfen........auf einem Feld, oder Wiesenstück, auf einem Weg (bitte darauf achten, dass niemand anderes den Weg benutzt)...Steine aufsammeln, jeden Stein bewusst in die Hand nehmen, ihn anschauen, die Augen schließen und an das denken, was gerade wütend macht....und dann mit voller Wucht den Stein werfen. Gern wiederholen und anregen noch weiter zu werfen. Das strengt an, es lässt körperlich Druck ab und führt auch oft zu einem Erschöpfungszustand....macht müde und frei.

 

 

 

Wutpapier ballen: wer kein Feld in der Nähe hat oder nicht raus kann (Regen, Krankheit..) kann auch zum Beispiel Zeitungspapier nehmen oder Papier, auf das geschrieben oder gemalt werden kann, worüber man so wütend ist....manche Kinder bemalen schon mit einer heftigen Stiftführung das Papier und lassen erste Wutgefühle raus...dann all diese Blätter Zeitung oder Papier knüddeln, feste und agressiv...mit dem Gedanken an all das, worauf man wütend ist....schon das Zerknüllen bedeutet, sich körperlich zu verausgaben...die Wut in den Fluss zu bringen...und wenn Sie dann noch eine Ecke im Zimmer oder ein besonders Zimmer auswählen, um dort mit aller Wucht und Kraft und Energie der Wut, diese Wutpapierballen zu werfen, zu pfeffern...dann wird auch das vieles durch den Körper heraus lassen....und befreiend wirken....es gibt Kinder, die dann auch beginnen, bei dieser Schmetteraktion zu schreien, der Wut auch verbal Ausdruck zu verleihen...lassen Sie es zu...es zeigt nur, unter welche, Druck das Kind steht.

 

Weinen

Unter dem Kapitel Weinen finden Sie schon Hinweise, wie wichtig es ist, Weinen zuzulassen.

Erkennen Sie die Tränen, oder das Bedürfnis diese Tränen raus zu lassen, dann ist es nur gut, wenn Sie das unterstützen und nicht wegwischen wollen. Nehmen Sie das Kind in den Arm, wenn es das zulässt. Reden Sie ihm zu, dass es weinen darf, dass Sie ahnen, wie traurig es ist und wie schwer es ist, das alles auszuhalten...sagen Sie dem Kind, dass Sie auch ab und zu das Bedürfnis haben zu weinen und das es gut ist, das zu können....."Lass es raus.....".....Sicherlich kann es schwer sein, auszuhalten, wenn ein Kind so weint. Aber es weinen zu lassen, bis die Tränen versiegen ist ein kostbarer Moment von Zweisamkeit. Das verbindet und wenn ein Kind das in Ihrer, Beisein kann dürfen Sie das als Geschenk erfahren. Vertrauen und sich fallen lassen Können, zeigt sich in diesem tiefen Moment.

Mit manchen Kindern habe ich aus blauem Papier Tränen ausgeschnitten und wir haben darauf geschrieben, warum es weint....wofür all diese Tränen sind...Sie werden sich wundern, wie detailliert Kinder das benennen können: weil Papa tot ist...weil ich mich so allein fühle...weil alles plötzlich so anders ist...weil Mama so traurig ist...weil Opa sogar weint.....

Kinder haben verletzliche kleine Seelen...und diese nehmen sehr viel wahr und auf,...wir dürfen das niemals unterschätzen.......aber wir haben die Aufgabe unseren Kindern dabei behilflich zu sein, mit all diesen Erfahrungen umzugehen, ohne Angst davor zu bekommen.....

Die beschriebenen Tränen habe ich mit den Kindern auf Fäden gezogen.....und in einen Schuhkaron gelegt.......einige haben diese Tränen dann und wann aus dem Karton geholt und aufgehängt, als Zeichen für die inneren Tränen...sie wurden ergänzt oder nur teilweise rausgehölt...Kinder können damit sehr gut umgehen.

 

In die Nacht gehen mit Sonnenstrahlen

Wenn wir einen Verlust erleben, dann scheint in uns drinnen kaum die Sonne. Kinder können sehr gut wechseln zwischen traurigen/wütenden/sorgenvollen/schönen/ lachenden.....Momenten, doch es gibt Tage die haben die Wirkung, dass es nur dunkel um uns und in uns ist.

Dieser Dunkelheit müssen wir Raum geben. Aber nicht selten geschieht es, dass die Kinder am Abend nicht einschlafen können, weil diese Dunkelheit Angst macht und Sorgen sich ausbreiten.

Darum gibt es vor dem Schlafengehen die Möglichkeit, sich kleine Sonnenstrahlen zu suchen:

Dazu müssten Sie aus gelbem Karton einen Kreis ausschneiden, und dazu einzelne Strahlen.

Ich laden Eltern gern ein, mit den Kindern vor dem Schlafengehen gemeinsam auf den Tag zu schauen. Gerade wenn das Einschlafen schwer wird, kann das gut helfen. Zählen Sie auf, was schwer, traurig oder schrecklich war. Aber schließen Sie dieses Gespräch mit der Sonne.

Sie können die Sonne auf das Bett des Kindes legen oder daneben. Auf dem Bett ist dem dem Kind sehr nah, neben dem Bett könnten Sie es über Nacht liegen lassen.

Überlegen Sie mit dem Kind, ob es irgend etwas gegeben hat, was heute zum Lachen gebracht hat, oder wo es sich einfach wohl gefühlt hat, ob es etwas gegessen hat, das gut geschmeckt hat....

Zu Beginn fällt es Kindern oft schwer, sich an diese schönen, wenn auch kleinen Momente zu erinnern.

Aber im Lauf der Zeit wird es immer besser gelingen.

Vor allem, wenn Sie diese kleinen schönen Momente als Stickwort auf einen der Sonnenstrahlen schreiben und an den Sonnenkreis legen....

Wenn die Sonne über Nacht neben dem Bett liegt kann das ein guter Schlafbegleiter sein.

Die Strahlen können Sie sammeln und weiter ergänzen...evtl. erleben Sie einen Abend, an dem viele Strahlen gefunden und gelegt wurden...schauen Sie gemeinsam darauf...

Möglich ist auch, wenn Sie Strahlen dazulegen, die ihnen an Ihrem Kind über den Tag positiv aufgefallen sind:

  • du hast dich heute alleine angezogen,
  • du warst so lieb als....,
  • ich habe mich über...gefreut....

diese von Ihnen benannten Sonnenstrahlen loben Ihr Kind und lassen es zu dessen Strahlmomenten werden.

zuletzt geändert am  14.05.2019

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

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