Was können Sie tun, einem Kind in Zeiten von Trauer zu helfen.....

Wichtig ist erst einmal, dass Sie das Kind ernst nehmen.
Ganz gleich, welche Fragen oder Befürchtungen, Ängste oder Sorgen aufkommen.
Es steht uns nicht zu, einen anderen Menschen, gleich ob Kind oder Erwachsenen, für sein Fühlen oder Denken zu beurteilen.

Das Kind spürt, ob Sie es ernst nehmen und es sich Ihnen anvertrauen kann.

Auch sind mache Sätze, die wir sagen, sehr zu überdenken.

 

Kinder haben von sich aus kein negatives Verständis von Tod!
 
Erst durch uns und unseren Umgang, unsere eigenen Worte und unser Verhalten werden Kinder Tod bewerten und für sich einsortieren....so ist das auch mit Gefühlen und dem Umgang mit Gefühlen.

Dr. Alan D. Wolfelt hat den Weg der Trauer in Notwendigkeiten aufgeteilt.
Hier finden sie die sechs Notwendigkeiten der Trauer nach Wolfelt für Kinder:
 

An Ende jeder aufgeführten Notwendigkeit habe ich einige persönliche Bemerkungen, Hinweise, Querverweise gestellt.
 
Hilfestellungen und Methoden finden Sie unter         ....in der Familie
 
 
------------------------------------------------------------------------------------


Erste Notwendigkeit

Die Realität des Todes anerkennen

Das Kind muss sich behutsam mit der Realität auseinander setzen, dass jemand, den es liebt,
tot ist und nie mehr physisch bei ihm sein wird.
 
  • Sprechen sie über die physische Realtiät des Todes.
    Sie stellen dabei sicher, dass das Kind versteht wie und warum die betreffende Person starb.

Kinder können die Realtiät des Todes nach und nach akzeptieren. In "dosierter" Form.
Sie werden jeweils nur ein klein wenig von dem Schmerz zulassen, und sich dann wieder Ablenkungen
zuwenden. (Spiel, Malen, Toben..)
 
  • Helfen Sie dem Kind zu verstehen, was "tot" physisch bedeutet. Erklären sie ihm,
    dass der Körper nicht mehr denken, fühlen, hören, atmen kann usw
    und nie mehr lebendig sein wird.

 

persönliche Bemerkung

Besteht die Möglichkeit, des Abschieds am Sarg, ist das sehr hilfreich.
Näheres dazu finden Sie unter: Abschiednehmen...am offenen Sarg

Kindern das Sterben und den Tod näher zu bringen ist wichtig. Aber es muss kindgerecht sein.

Nicht alles, was wir Erwachsenen wissen, müssen auch die Kinder wissen.
Aber ihre Fragen zu beantworten ist sinnvoll und hilfreich für das Verstehen und das Trauern des Kindes.
Dennoch braucht es oftmals nur weniger Worte als Antwort. Denn lange ausschweifende Antworten benötigen Kinder nicht. Behutsam zu erkennen, worum es dem Kind tatsächlich geht, bedarf ein gutes Zuhören.
Kurze und klare Sätze mit Worten, die Kinder verstehen, ohne "Märchen zu erzählen", und auch das eigene Unwissen oder Unverständnis zu benennen ist ehrlich und kompetent.


 

----------------------------------------------------------------------------------------------
 
 

 
Zweite Notwendigkeit

Den Schmerz des Verlustes annehmen

Wie alle Trauernden müssen auch Kinder den Schmerz des Verlustes zulassen. Glücklicherweise haben die meisten Kinder noch nicht gelernt ihre Gefühle zu unterdrücken oder zu leugnen. Wenn sie traurig sind, erlauben sie es sich im Allgemeinden, traurig zu sein.
 
  • Widerstehen Sie das nächste Mal, wenn das Kind weint, dem natürlichen Drang,
    es beruhigen zu wollen, damit es zu weinen aufhört. Halten Sie es stattdessen                           liebevoll im Arm und lassen Sie es so lange und so heftig (und sooft) weinen, wie es möchte.

 

Sie können dem Kind helfen, indem Sie es ermutigen, über seine schmerzlichen Gedanken und Gefühle zu sprechen, in dem Sie, ohne zu urteilen oder gar zu verurteilen, einfach zuhören.
 

 

  • Kinder "dosieren" von Natur aus ihren Schmerz.
    Unterstützen Sie das Kind,wenn es nach und nach seinen Schmerz zulässt.


 

persönliche Bemerkung

Alle Gefühle sind erlaubt: Wut und Angst, Freude und Unbekümmert sein, Schuldgefühle und Sorgen...
Es ist nicht leicht, die Gefühlsschwankungen von Kindern auszuhalten. Sie springen oft noch schneller hin und her, als wir Erwachsenen. Die Fähigkeit, es zu dosieren, macht es für manch Außenstehenden noch schwerer. Kinder die gerade voller Intensität geweint und geschrieen haben, drehen sich um und gehen lachend Spielen.
Da kommt es schon mal vor, dass Nachbarn kopfschüttelnd an spielenden und freudig lachenden Kindern vorbeigehen, die vor einem Tag den Tod der Mutter miterlebt haben.
Kinder können das, dafür dürfen wir dankbar sein.
Ganz schwer wird es, wenn wir den Kindern ihren Gefühlen freien Raum geben möchten und die eigenen Gefühle ein vollkommen anderes Thempo einschlagen.
Dennoch ist es wichtig, dass die Kinder auch die Gefühle der Erwachsenen wahrnehmen....das Miteinander ist die Herausforderung.
Darum ist es auch ratsam sich Menschen dazuzuholen, die das vermitteln können: Trauerbegleiter oder eine Trauergruppe für Kinder.


--------------------------------------------------------------------------------------


Dritte Notwendigkeit

Sich des verstorbenen Menschen erinnern

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, lebt er durch die Erinnerungen in uns weiter.
 

  • Ermuntern Sie das Kind, Ihnen von seinen Erinnerungen an die verstobenen Person zu erzählen.
    Oder bitten Sie es, Ihnen einen Schnappschuss von der verstorbenen Person zu zeigen und Ihnen
    dann zu erzählen, bei welchem Anlass das Photo gemacht wurde.

 

Trauernde Kinder müssen sich aktiv an die verstorbene Personen erinnern und dazu beitragen, des Lebens,
das gelebt wurde, zu gedenken.
 

 

  • Versuchen Sie nie einem Kind in dem irrigen Bemühen, es vor dem Schmerz zu bewahren,
    seine Erinnerungen zu nehmen. Es ist gut für das Kind, sich weiterhin Photos oder Videos
    von der verstorbenen Person anzuschauen. Es ist gut für das Kind, Geschichten aus dem Leben
    der verstorbenen Person zu erzählen und zu hören, wie andere über diesen Menschen sprechen.

 

Sich an die Vergangenheit zu erinnern, heißt Hoffnung auf die Zukunft zu ermöglichen.
 

 

persönliche Bemerkung
 

Beispiele von Möglichkeiten Erinnern zu helfen, sind aufgeführt unter dem Punkt: Trauer - ....bei Kindern - .... in der Familie


 

-------------------------------------------------------------------------------------

 


Vierte Notwendigkeit

Eine neue Identität entwickeln


Die Identität des Kindes wurde zum Teil durch die Beziehung, die es mit der verstorbenen Person hatte, geprägt.
 

  • Bitten Sie das Kind, zwei Bilder zu malen: eines von seinem Leben vor dem Todesereignis,
    und eines von seinem Leben danach. sprechen Sie dann mit ihm über die in den Bildern
    dargestellten Unterschiede.

 

Es hatte vielleicht einen Vater und jetzt nicht mehr; oder es war bisher der große Bruder, und jetzt ist sein jüngeres Geschwister gestorben. Inwieweit hat sich das Gefühl des Kindes, wie es ist, infolge dieses Todes verändert?
 

 

  • Niemand kann die "Lücke füllen" die die verstorbene Person hinterlassen hat.
    Versuchen Sie nicht, einen Ersatz für das Kind zu finden, zumindest nicht
    in den ersten Monaten nach dem Tod.
    Unterstützende Beziehung - Ja!    Ersatz -Nein!

 

Trauernde Kinder werden manchmal dazu angehalten, Rollen oder Aufgaben zu übernehmen, die bisher der verstorbenen Person zufielen. Wenn man Kinder jedoch zwingt, die Verpflichtung von Erwachsenen zu übernehmen, behindert man nur ihre Heilung und stiehlt ihnen die Kindheit.

 


 

persönliche Bemerkung


Ein Kind, das mit dem Opa immer Fußball gespielt hat und seinen Opa als Vorbild gesehen hat, kann nicht einfach jemand anderen als neues Vorbild vorgesetzt bekommen. Diese Opa-Enkel-Beziehung hatte eine tiefe Bedeutung. Der Enkel muss langsam lernen, dass er ohne den Opa Fussball auch mit Freude spielen kann, aber es wird anders sein...dazu braucht es Zeit.

Ein Mädchen, deren Mutter gestorben ist, ist nun eine Halb-Waise. Die Identifikation mit der Mutter in vielen Lebens- und Erfahrungsbereichen ist nun weggebrochen. Mitzuerleben und daran zu lernen, wie Mama gebacken hat, wie sie mit Spinnen umgegangen ist, wie sie sich an besonderen Tagen zurecht gemacht hat.... kein anderer Mensch kann das ersetzen.
Mamas Parfum ansprühen, ihr darin nahe sein zu können, sich so in Beziehung setzen, auch wenn sie nicht da ist, ist wichtig.

Ein junger Mann, dessen Vater gestorben ist. Er trägt tagelang den Mantes des Vaters, zieht ihn nicht Mal Nachts aus.
Er sucht die Nähe zu seinem Vater...der Mantel verkörpert ihn. Es bedarf eines eigenen und persönlichen Loslösens aus dieser besonderen Nähe. Nach einiger Zeit zieht er ihn Nachts aus, dann hängt er greif- und sichtbar im Raum... der junge Mann musste für sich begreifen, dass er ohne den Vater leben kann....

 



 

---------------------------------------------------------------------------
 
 
 

Fünfte Notwendigkeit

Die Suche nach dem Sinn

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fragen wir natürlich nach dem Sinn und Zweck des Lebens.

 

 

  • Teilen Sie Ihre Überzeugung, was Leben und Tod und Spiritualität angeht, mit dem Kind,
    ohne es zu drängen, zu glauben, was Sie glauben.

 

 

 

Kinder stellen in der Regel einfache Fragen: "Warum sterben Menschen?", "Was geschieht mit den Menschen, wenn sie tot sind?", "Kann Oma im Himmel kegeln?"
 

 

  • Trauernde Kinder werden diese Frage nur Erwachsenen stellen, denen sie vertrauen.
    Achten Sie auch auf die Suche nach dem Sinn, wenn das Kind spielt.


Versuchen Sie nicht, Antworten auf alle Fragen des Kindes nach dem Sinn des Lebens zu haben.
Es ist in Ordnung - und sogar wünschenswert - zuzugeben, dass Sie mit den selben Fragen zu kämpfen haben.

persönliche Bemerkung


Warum sterben Menschen?...die Antwort,weil sie irgendwann zu alt werden, sollten Sie gut überdenken. Was ist, wenn das Kind dann in der Schule mitbekommt, dass eine Mutter, ein Vater, ein Geschwisterkind gestorben ist?
Wenn Sie für sich auch keine Antwort haben, warum Menschen sterben, dann sagen sie das dem Kind ruhig.
Aus Erfahrung weiß ich, dass Kinder eine solche Frage oftmals erst stellen, nachdem sie sich damit schon lange beschäftigt haben.
Fragen Sie das Kind doch einmal, was es selbst darüber denkt, bevor Sie eine Antwort geben. Es kann sehr spannend sein.

Als Beispiel möchte ich von einem Gespräch erzählen, dass ich vor Jahren erleben durfte:
Im Seelsorgeunterricht hatte ich mit Kindern der dritten Klasse erarbeitet, das die Seele kein Organ ist, wie das Herz oder ein Muskel oder ein Knochen. Die Seele ist nicht sichtbar, nicht greifbar. Ein Kind hatte berichtet, dass es gehört habe, wenn ein Mensch stirbt dann bleibt der Körper auf der Erde und die Seele geht in den Himmel. Einige Kinder nickten, bestätigten dieses Wissen.
Nach einigen Monaten sprach mich einer der Jungen dieser Gruppe an und erzählte sein Opa sei gestorben. Er sprach weiter, dass seine Oma gesagt habe, der Opa treffe nun im Himmel all die, die schon gestorben sind und die er vermisst hat. Der Junge sah mich an und meinte dann: "Wenn aber die Seele doch nicht sichtbar ist, wie treffen die sich denn da oben, die können sich doch gar nicht sehen?!"
Ich muss gestehen, bis dahin hatte ich soweit nicht gedacht. So geht es uns Erwachsenen wohl häufig,...wir denken nicht weiter...aber die Kinder tun das.
Aus pädagogischer Sicht wusste ich, dass es für das Kind evtl eine Frage ist, die auf Bestätigung der eigenen Gedanken hofft und fragte darum, welche Gedanken er sich darum denn schon gemacht habe.
Er sah mich fest an und sagte dann ganz bewusst: "Ich glaube, die erkennen sich durch ihre Liebe!"
Eine solch tiefe Antwort hätte ich niemals gefunden.
Ich bin diesem Jungen dankbar für die Frage und vor allem sein Vertrauen, das er mir entgegen gebracht hat, mich zu fragen und mir seine Gedanken mitzuteilen.
Geben wir unseren Kindern die Chance, eigene Antworten zu finden, schenken wir ihnen die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht...
Aber achten wir auch auf verwirrte Gedanken....um sie zu begleiten und Anstoß zu geben.


 

------------------------------------------------------------------------

 

Sechste Notwendigkeit

Unterstützung von anderen erfahren

Trauer ist ein Prozess, kein Ereignis. Kinder trauern genau wie Erwachsene noch lange nach dem Tod des geliebten Menschen.

  •      Erstellen Sie einen Plan, um dem Kind das nächste Jahr über zu helfen. Tragen Sie im Kalender            regelmäßige Treffen ein. Vergessen Sie keine wichtigen Daten, wie Geburtstag des Kindes oder des      Verstorbenen oder den Tag des Todes.
  •      Das trauernde Kind braucht nicht nur in den Tagen und Wochen nach dem Tod,
         sondern noch Monate und Jahre Ihre mitfühlende Unterstützung und Anwesenheit.

Wenn sie älter und in ihrer Entwicklung reifer werden, betrauern Kinder von Natur aus auf neue und immer tieferen Ebenen den Tod. Wenn Sie dem leidenden Kind helfen können, zu trauern, wenn sich (selbst noch Jahre nach dem Tod) die Notwendigkeit dazu stellt, helfen Sie ihm, zu einem gesunden, liebevollen Menschen heranzuwachsen.

 

 

persönliche Bemerkung


bei Kindern verändert sich die Trauer nicht nur nach dem Zeitrahmen ab dem Tod des lieben Menschen. Sie verändert sich auch durch die Entwicklung des Kindes selbst. Das Verständnis und das Erkennen der Konsequenzen aus dem Tod verändern sich und so bricht die Trauer immer wieder neu und anders auf. 
Hier über längeren Zeitraum Begleiter zu sein, verlässlich und vertrauensvoll, ist wertvoll und verantwortungsbewusst.
Diese Verlässlichkeit drückt sich vor allem darin aus, regemäßig und an bestimmten Tagen, Kontakt zu pflegen.
Der Geburtstag des Kindes ist ebenso wichtig, wie der Geburtstag der verstorbenen Person. der Todestag, Adventszeiten, Weihnachten, Jahreswechsel, der November....Kinder nehmen sehr sensibel an all diesen geprägten Zeiten teil und die Zeichen dieser Zeiten wirken sehr stark auch ein.
Wenn Sie die Kinder annehmen, wie sie sind, sich fühlen und denken, dann sind Sie ein kostbarer und wertvoller Begleiter für das Kind.

 

 

zuletzt geändert am  02.02.2017

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

© Gabriele Kniesburges | Impressum | Datenschutzerklärung
Powered by GetSimple