am offnen Sarg/ Beerdigung/ Urnenbeisetzung 

Kinder und Abschied am offenen Sarg! - Geht das?

Erwachsene reagieren sehr unterschiedlich bei dieser Fragestellung.        

Die einen lehnen es sofort ab. Die anderen sind verunsichert.

Die es ablehnen, haben Ihre Gründe. Dennoch frage ich nach diesen Gründen. Nicht selten kommen Sie aus Überlieferungen aber nicht aus eigenen Erfahrungen. Oder gemachten Erfahrungen resultierten aus Unwissenheit. Doch das muss nicht an Ihre Kinder weiter geben werden.  

"Die Kinder sollen den Verstorbenen so in Erinnerung behalten, wie sie ihn kannten!" Ein Satz, der unter Erwachsenen ebenfalls sehr häufig ausgesprochen wird.

Die meisten Kinder wissen und spüren sehr genau, ob sie den Verstorbenen noch einmal sehen möchten. Deshalb ist es wichtig, sie ernst zu nehmen und ihren Wunsch zu respektieren.

Ganz wichtig dabei ist, die Kinder darauf vorzubereiten, Ihnen also in Ruhe und ihrem Alter entsprechend zu erklären, was sie erwarten wird:

  • wo gehen wir/fahren wir hin
  • was ist das für ein Ort (manche Verstorbenen sind in einem Raum auf dem Friedhof aufgebahrt, andere in einem Zimmer beim Bestatter)
  • wie sieht es dort aus (Tür, Größe, Farben, Fenster, Bilder, Kerzen, Pflanzen..)
  • was werden wir dort sehen (bewusst in Einzelheiten: den Sarg, die Decke, das Aussehen des Verstorbene schildern, Die Hände liegen auf der Decke etc....je detaillierter, desto sicherer wird sich das Kind fühlen können)
  • wie fühlt es sich dort an (kühler Raum, ruhig, ...)
  • was machen wir dort (noch einmal sehen, etwas mit in den Sarg geben, Blumen, Briefe, Engel, in Stille bei ihm sein...)
  • was andere tun werden (etwas ablegen, beten, streicheln, ...)
  • Weinen

 

Das alles setzt jedoch voraus, dass Sie selbst schon dort gewesen sind. Es geht nicht, dass Sie zum Beispiel selbst zum ersten Mal Ihren Vater im Sarg besuchen und dann Ihr Kind dabei haben. Sie selbst trauern und müssen diesen Moment wahrnehmen können. Dabei wird es kaum möglich sein, die eigenen Gefühle so zu kontrollieren, dass Sie sich auf Ihr Kind konzentrieren können. Gehen Sie lieber ein zweites Mal und nehmen dann ihr Kind mit dort hin.....

Kinder bis zum 9. Lebensjahr gehen oftmals sehr unbefangen in diesen Raum. Sie spüren die Anspannung der Erwachsenen und deren Trauer, sie sind selbst traurig und werden häufig sehr still. Doch sie gehen ungezwungener an den Sarg heran...Sie werden vorsichtig sein, denn sie spüren die außergewöhnliche Situation, die Stimmung von Erwachsenen und Räumlichkeit.

Kinder ab dem 9. Lebensjahr verstehen Endlichkeit. Ihnen ist Tod bewusst und auch dieses "Letzte Mal". Sie empfinden ihre Trauer schon unter dem Aspekt des Nie-wieder-sehens, darum auch mit Scheu und Vorsicht und manchmal auch ängstlich.

Überlegen Sie mit dem Kind, ob es dem Verstorbenen etwas mit in den Sarg geben möchte: ein Engelchen, ein Photo, ein selbst gemaltes Bild, ......am Sarg können Sie dann konkret überlegen, wo sie dies ablegen möchten: am Fußende, auf dem Bauch, nahe am Herzen, an den Händen, in der Anzugtasche.

Auch Sie selbst können etwas mitgeben: einen Brief mit Worten des Dankes, oder Wünschen, Fragen.... Manche Angehörige suchen auch für Ihren Brief einen bewussten Platz (Im Anzug, Innenseite, Herzseite...Jackentasche).

Wenn Sie mit mehreren Kindern zum Verabschieden gehen, ist es gut, eine weitere Bezugsperson mitzunehmen. Sollte eines der Kinder aus dem Raum raus gehen wollen, ist ein Aufteilen möglich und niemand muss gehen, wenn er es noch nicht möchte aber auch niemand muss bleiben, wenn es zu viel wird.

Kinder müssen genauso wie wir Erwachsene begreifen, dass ein Mensch gestorben ist. Nur so können auch sie wirklich trauern. Andernfalls können wir oft beobachten, dass vor allem jüngere Kinder längere Zeit den Verstorbenen suchen, bzw glauben, dass er wieder kommen wird. Hierzu ist aber ebenso zu bedenken, dass das Verständnis von Tod bei jüngeren Kindern noch nicht vorhanden ist: Wer nicht zu sehen ist, ist an einem anderen Ort...auf der Welt, im Himmel ...

 

Nehmen Sie sich genügend Zeit mit Ihrem Kind in Ruhe alles zu bereden. und erklären Sie kindgerecht und hören dann auf den Wunsch des Kindes. Wenn es nicht mit zum Sarg möchte, ist das auch vollkommen in Ordnung. Evtl. fragen sie, warum es nicht mit gehen möchte. Vielleicht ist es dem Kind immer noch unheimlich, weil es sich nicht wirklich vorstellen kann, was dort geschieht. Aber wenn es klar sagt: nein, ich will nicht da hin. Lassen Sie es bei dieser Entscheidung.

Für Kinder kann es eine große Chance bedeuten, sich von dem Verstorbenen zu verabschieden. So kann eine gute Auseinandersetzung mit dem Tod beginnen. Zu erleben, dass der Tod zum Leben gehört, aber dass er niemandem Angst machen muss, ist sehr wertvoll. Wer einen Verstorbenen im Sarg gesehen hat, weiß, dass die Gesichtszüge freidlich aussehen. Ein Blick, der versöhnen kann mit Abschied und Schmerz.

Wenn ein Kind den Verstorbenen zuletzt lebend evtl im Krankenhaus gesehen hat oder sogar Wochen vorher, gesund und munter, kann es die Bedeutung von Endlichkeit begreifen lernen - und das ohne Angst.

Es kann ein Geschenk sein, sich verabschieden zu können, noch einmal das Gesicht zu sehen, die Haare zu streicheln, etwas mitzugeben ........zwischen lebend und zum Grab getragen gehört das Verstehen, Sehen, Spüren, Ahnen, Begreifen......

Wer diesen Schritt mit Kindern erlebt hat, erfährt oft selbst eine tiefere und bedeutendere Verabschiedung. Kinder fordern uns in diesen Momenten heraus und können gleichzeitig so bewunderswert offen und tiefgehend damit umgehen.

 

 

Sollen Kinder mit zur Beerdigung gehen?

Sie sollten eine endgültige Antwort den Kindern überlassen.

Doch dazu benötigen Kinder Informationen.

Kinder können nicht abschätzen, was sie erwarten wird, was eine Beerdigung ist, was während dessen geschieht, wie es dort aussieht, was gesagt wird, welche Gefühle aufkommen können,   bei denen, die dabei sind und bei ihnen selbst.

Uns Erwachsenen geht es ähnlich: wenn wir nicht wissen, was uns erwartet, dann fällt es uns schwer, zu entscheiden, ob wir es erleben möchten.

Kindgerechte Information ist hier bedeutend, vor allem dann, wenn Kinder mit zu einer Beerdigung genommen werden.

Erklären Sie Ihrem Kind vorher, wie es dort aussieht, wie es sich anfühlen kann, was geschehen wird - und warum.                   

Bereiten Sie sich hierfür auch auf typische Kinderfragen vor und besprechen Sie diese möglichst einfach und kurz.

Ein Kind sollte also selbst entscheiden, ob es zur Beerdigung mitkommt, selbst dann, wenn es noch gar nicht wirklich abschätzen kann, was es erleben wird.

Es gibt kleine Hilfestellungen bei der Vorbereitung, die ich ihnen gern geben möchte:

Vorbereitung ist sehr wichtig!!!

Es gibt ganz unterschiedliche Büchlein, die Ihnen helfen können, mit den Kindern gemeinsam anzuschauen und zu besprechen, was eine Beerdigung ist und was dort geschehen wird.

Diese sind gute Begleiter und auch Hilfestellung, wenn einem selbst die Worte fehlen.

In diesen Büchlein wird oftmals angesprochen, dass der Verstorbene in einem Sarg liegt.

Die Frage was ein Sarg ist, ist eine sehr berechtigte Frage, denn dies Wort ist für Kinder oftmals fremd. Hierzu kann ich Ihnen empfehlen, niemals die Erklärung zu benutzen, die einen Sarg mit einem Bett vergleicht. Oft wählen Erwachsene diesen Vergleich, doch manche Kinder kann das sehr verunsichern, vor allem, wenn es an das Schließen des Sarges geht. Nicht alle, aber doch vereinzelte Kinder bekommen bei diesem Gedanken Angst, wenn sie in ihr eigenes Bett gehen. 

 

Ein Sarg ist vergleichbar mit einer Kiste...ja das klingt schrecklich, aber es ist so. Diese Kiste aber ist aus schönem Holz, manche sogar verziert. Sie wird weich ausgestattet und die Verstorbenen werden sogar auf ein Kissen gelegt und bekommen eine Decke. Der Sarg wird mit einem Deckel geschlossen. Manchen Kindern ist dieser Gedanke unheimlich. Ich selbst zeige dann oft meine Hand, forme sie zu einer Schale, lege etwas Kleines hinein und erkläre damit, dass es so ähnlich mit einem Sarg ist. Dann schließe ich vorsichtig meine Hand und erkläre dabei, dass die Verstorbenen in dem Sarg wie in einer Hand liegen, die sie behutsam aufnimmt und umschließt.

Nicht selten fragen Kinder danach, ob es nicht kalt dort ist oder dunkel. Ich erzähle dann davon, dass ein Mensch, der gestorben ist, keine Gefühle mehr hat, auch nicht friert oder schwitzt, dass das Dunkel diesen Menschen keine Angst macht. Sie haben keine Angst, keine Sorgen, keine Schmerzen mehr. Vielen Kindern reicht eine solche Erklärung vollkommen aus.

Wenn es um die Beerdigung selbst geht, ist es gut, eine außen stehende Person dazu zu holen. Das kann eine Freundin oder Nachbarin sein. Wichtig wäre, dass diese Person den Kindern vertraut ist und selbst nicht in Trauer involviert ist.

Diese Person kann als Ansprechpartner/in für das Kind dienen, dass Sie als Betroffene selbst, Ihrer Trauer Raum geben können. Die Kinder wissen dann, dass sie, wenn es ihnen zu viel wird oder sie unsicher sind, zu dieser Ansprechperson gehen können. Evtl. können sich beide dann aus der Kirche, der Kapelle, der Trauerhalle oder von dem Beerdigungsumfeld entfernen, miteinander reden, Abstand gewinnen. Sie als Betroffene haben so die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Kinder spüren dieses Bedürfnis von Ihnen und wenn sie die Situation nicht mehr aushalten, werden die Kinder die Erwachsenen oft schonen und nicht stören wollen....oder mit eigener Trauer belasten wollen. Ich habe erlebt, dass diese Ansprechperson selten genutzt wird, aber für alle Beteiligten so eine Art Sicherheit im Hintergrund bedeutet. Wenn Sie für Blickkontakt-Möglichkeit zwischen Kind und Ansprechperson sorgen schauen die Kinder sehr oft hinüber und versichern sich dieser Person. Das allein kann eine große Unterstützung darstellen.

Die Kinder sollten vorab davon hören und auch verstehen, dass Mama/ Papa/ Opa.... auch weinen könnten. Eine Erfahrung, die Kinder nur schwer verarbeiten können, wenn sie unvorbereitet erlebt wird.

Als ich vor einigen Jahren in eine Dritte Klasse gebeten wurde, aus der ein Vater verstorben war, haben die Kinder im ersten Moment unseres Beisammenseins ihr Entsetzen geäußert, ihre eigenen Väter weinen gesehen zu haben. Sie waren bestürzt. Behutsame Worte und einen guten Austausch über Gefühle und das Zeigen von Gefühlen waren notwendig. Über die eigenen Erfahrungen von Kindern ist es einfacher, über diese Situation zusprechen. Geweint hat jeder schon einmal...Wie war das? Warum hast du geweint? Wie hast du dich gefühlt? Was war, als du ausgeweint hattest? Auch Erwachsene sind traurig!

 

Fragen der Kinder

"Was ist, wenn Oma wieder aufwacht? Friert der Opa nicht im kalten Sarg? Warum werfen die Leute Erde auf den Opa? Was passiert, wenn die Tante stirbt - kommt sie dann in den Himmel? Wieso ist der Jürgen gestorben? Kommt er niemals wieder? Kann ich/könnt ihr auch sterben?!

Das Wichtigste ist, aufrichtig zu sein! Kinder spüren sehr genau, wenn wir etwas verheimlichen oder uns aus der Wahrheit herauswinden. Es ist ehrlicher zu sagen, wenn wir selbst keine Erklärung oder Antwort haben.

In einem Gespräch erzählte mir eine Mutter sehr aufgeregt, sie habe einen großen Fehler gemacht. Sie quälte sich damit, dass sie auf die Frage der Tochter, ob sie oder der Vater auch sterben könnten, mit nein geantwortet hatte. Wir haben darüber gesprochen und sie hat dann später mit Ihrer Tochter nach einem Besuch am Grab der Oma noch einmal in Ruhe darüber geredet.

Vergessen Sie nicht: Ihr Verhalten und Ihre Worte prägen Ihre Kinder. Wenn Sie selbst ein schwieriges Verhältnis mit dem Thema Tod und Sterben haben, wird sich das sehr deutlich auf Ihr Kind übertragen.

 

Eine Urnenbeisetzung

Das Menschen verbrannt werden ist nicht nur für Kinder ein schrecklicher Gedanke. Aber wir Erwachsenen verstehen eher, dass diese Menschen tot sind und welche Konsequenzen es hat.

Es ist schwer, Kindern die Beweggründe verständlich zu machen. Auch uns Erwachsenen gelingt es nicht gleich, es anzunehmen.

Wenn schon das Verstehen des Warum nicht möglich wird, dann ist es Aufgabe, einen behutsamen Umgang damit zu schaffen.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen gern ein Beispiel schildern: Ich habe einem Kind (6 Jahre) eine Urnenbeisetzung erklärt.

Ein Kalenderblatt mit einem schönen Motiv (Wiese, Blumen, Sonne, blauer Himmel, Wölkchen) lag auf dem Tisch.

Wir unterhielten uns über das, was wir sahen. Das Kind durfte erzählen, welche Gedanken es dabei hatte, Ideen, Vorstellungen. Es plapperte fröhlich vor sich hin: brummende Bienchen, flatternde Schmetterlinge, duftende Blumen, die warme Sonne...alles kam zu Wort.

Dann nahm ich das Bild und verbrannte es vor den Augen des Kindes. Das Entsetzen war groß.

Doch als ich das Kind fragte, ob es sich noch an das Bild erinnern könnte, an die Sonne und die Blumen, da sprudelte es nur so heraus.

Ich erklärt dem Kind, dass ein Mensch der gestorben ist, nichts mehr fühlen kann. Totsein ist ohne Leben sein. Sein Opa wäre nun ein wenig wie das Bild. Er würde nicht mehr leben, aber es könnte sich an alles erinnern, was der Opa mit dem Kind erlebet hat... Ich habe mir dann vom Opa erzählen lassen: was sie gern gemacht haben, ob er ein Lieblingsessen oder einen Lieblingsort hatte....und dann habe ich ein Bild von einer Urne gezeigt.

In einem solchen Gefäß würde die Asche von seinem Opa zum Friedhof gebracht werden. Es sei gleich, was wir von ihm noch sehen könnten, denn in unserem Herzen ist alles zu finden, was an ihn erinnert.....

Ganz gleich, was Menschen geschieht, wo jemand sein wird, wie jemand aussieht, das Wunderbare, das wir uns an diesen Menschen erinnern und vielleicht sogar sein Lachen in uns noch hören können, seine Zigarre riechen.... Wie mit dem Bild bleiben diese Erinnerungen in unserem Herzen, wie ein kleiner Schatz.

Erinnerungen sind ein kostbarere Schatz, den es gilt bei Kindern wie Erwachsenen zu pflegen. Wir haben die Verantwortung, unseren Kindern den Umgang damit, nahe zu bringen.

Bei all der Schwere dieser Situation, Sie sind eingeladen mit Ihren Kindern gemeinsam zu erinnern...

 Es ist etwas sehr Schönes...und vielleicht schauen Sie gemeinsam Photos an.....sie helfen oft, Erinnerungen lebendig zu erhalten.

 

zuletzt geändert am  07.02.2019

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

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