Die Art und auch die Intensität einer Beziehung wirkt sich auf unsere Trauer aus.
Wenn unsere Gedanken und Gefühle freien Raum bekommen, dann drehen sie sich um verschiedene Beweggründe.

  • Es geht um den Verstorbenen: wir machen uns Gedanken mit Hoffnungen, Wünschen und Sorgen, wie es dem Verstorbenen geht, wo er ist.
  • Es geht um unsere Beziehung: wir machen uns Gedanken darüber, dass es so, wie wir es uns mit dem Verstorbenen erhofft und gewünscht hatten, nun nie mehr sein wird.
  • Es geht um uns Zurückgebliebenen: wir machen uns Gedanken um uns; mit allen Sorgen, Ängsten, Befürchtungen, wie es nun weiter gehen soll, ohne den Verstorbenen.

 

Der direkte Ehepartner

Eine Witwe oder ein Witwer als direkt betroffene Angehörige sind häufig stark belastet. Je nach Jahresumfang der Ehe und auch der gelebten Beziehung kann die Trauerempfindung sehr intensiv sein.

Doch auch gegenteilige Emotionen können sichtbar werden.
Bei Unzufriedenheit in der Partnerschaft kann Erleichterung zu erkennen sein. Wir dürfen uns kein Urteil über diese Gefühle leisten. Niemand kennt die genauen Hintergründe, die erlebten Jahre, die ertragenen Erfahrungen, die sich im privaten einer Ehe ereignen.
Es kann auch sein, dass eine auseinander gelebte Beziehung ganz harmonisch verlaufen ist und dennoch nach dem Tod eines der Partner eine Art der Befreiung empfunden wird.

Eine Erleichterung oder Befreiung kann aber auch zu spüren sein, wenn die/der Verstorbene sich durch Krankheit hat quälen müssen, oder die Angehörigen lange beeinträchtigt waren durch große Pflegebedürftigkeit.
Die Schwankungen zwischen dieser Erleichterung und dann aufkommenden Schuldgefühlen sind oft stark.
Es ist gut, wenn wir diese Erleichterung fühlen. Wir sind erleichtert, weil wir nun wissen, dass der/die Verstorbene nun nicht mehr leiden muss.
Eine eigene Erleichterung ist ebenfalls erlaubt. Es ist anstrengend, kraftraubend und oft nach langjähriger Pflege auch kaum noch aushaltbar, zu pflegen und mitzuerleben, wie ein geliebter Mensch leidet, seine Umwelt kaum oder gar nicht mehr wahrnimmt.
Unsere Gefühle sind echt, sie sind das, was wir fühlen und somit dürfen sie in uns aufkommen!

Wenn es erwachsene Kinder gibt, dann kommt es von deren Seite häufig zu einer Begleitung oder sogar einer Hilfestellung.
Doch, es ist nicht immer gut, wenn einer Witwe/einem Witwer zu viel abgenommen wird. Jede Entscheidung, die Beerdigung betreffend, mag sie auch schwer fallen, ist ein wichtiger Prozess in der Abschiednahme.

 

Lebenspartner

Lebte die verstorbene Person in einer Partnerschaft, war aber nicht verheiratet, so erschwert sich evtl. die formelle Regelung einer Bestattung. Ohne schriftliche Bevollmächtigung ist hier ein agieren unmöglich. Nur direkte Angehörige sind Entscheidungsbefähigt. Das kann sich entsprechend auf den Werdegang der Trauer auswirken.
Ist eine solche Vollmacht nicht vorhanden, kommt es dann auf das Verhältnis zur Familie an, ob die/der Lebenspartner/in mit einbezogen wird oder gar die Entscheidungsfähigkeit zugesprochen wird.
Dies stellt eine zusätzliche Belastung für die hinterbliebenen Partner dar.
Die Emotionen, die selbstverständlich genauso aufkommen, wie die von Verheirateten, werden durch diese Situation dann um eine zusätzliche Tiefe belastet.

 

 

Erwachsene Kinder

Gleich welchen Alters, wenn ein Elternteil stirbt, ist das für Kinder schwer.
Kinder von Verstorbenen trauern als Kinder. Ein Elternteil zu verlieren ist schwer.
Je nach Intensität der Beziehung verstärkt/schwächt sich auch der Verlustschmerz.

Wenn das andere Elternteil noch lebt, überwiegt oft erstmals die Fürsorge.
Die Fürsorge, die Sorge um den verbliebenen Elternteil ist dann vor die eigene Trauer gestellt.
Zum einen übernehmen viele Kinder Entscheidungen und Gänge, die die Beerdigung betreffen, um die Mutter/den Vater entlasten zu wollen. Zum anderen aber verdrängen sie das eigene Erleben.
Etwas, das erwachsene Kinder häufig erleben, ist, dass sie selbst als trauernde Kinder gar nicht wahrgenommen werden. Die Frage danach, wie es dem verbliebenen Elternteil geht, wird an sie gerichtete, aber nicht die Frage nach der eigenen Befindlichkeit, der eigenen Trauer.

 

Was durchleben "Kinder"?

  • Der Verlust eines Elternteils:
    ein Vater, eine Mutter, die sich unterschiedlich stark als Eltern bewährt haben, die begleiteten in den Kinderjahren, umsorgten, schützten, liebten, forderten und förderten;
    Eltern, die sich auch in den Jahren des jungen Erwachsenseins für ihre Kinder einsetzten, Eltern, die sich um ihre Enkelkinder kümmerten, zur Seite standen, wenn ihre Kinder Sorgen hatten und da waren....
    Stirb ein solches Elternteil, dass sich so um sein Kind bemüht hat, kann dies als sehr schmerzlich erfahren werden.
  • Der Verlust eines "Freundes":
    In manchen Familien werden die Eltern zu Freunden ihrer Kinder. Wenn eigene Kinder erwachsen werden und sich die Eltern ihnen gegenüber so verhalten, dass sie zur Seite stehen, aber sich nicht einmischen, wenn sie da sind, ohne ihre Meinung durchsetzten zu wollen,...dann kann ein freundschaftliches Verhältnis entstanden sein, dass bei Verlust durch einen Todesfall eine sehr große Lücke aufwirft.
  • Der Verlust eines Vorbildes:
    Mancher Vater und manche Mutter werden im Leben der Kinder als großes Vorbild gesehen. Verstirbt dieses Vorbild, bricht eine wichtige Lebensorientierung weg.

Zusammenfassend zu sagen ist, dass es bedeutsam ist, die "erwachsenen Kinder" wahrzunehmen, sie in ihrer Trauer zu erkennen und auch zu bestärken.

Häufig wird die eigene Trauer verdrängt oder vor dem verbliebenen Elternteil verheimlicht. Die Sorge um diese oder auch die Scham über eigene Empfindungen lassen viele "Kinder" auch vor Gesprächen über eigene Verlustschmerzen zurück-schrecken.

 

Enkelkinder, Kinder und Jugendliche

Wenn es um Kinder geht, die ein Großelternteil, ein Elternteil, ein Geschwister oder Freund verabschieden müssen, dann sind diese unterschiedlichen besonders Beziehungen zu beachten.
Auch hier gilt:
je nach Intensität der Beziehung nehmen Kinder Abschied von den Verstorbenen.

Hierzu wurde ein extra Themenpunkt eingerichtet:

siehe: Trauer bei Kindern

 

 

Eltern

Der Verlust eines Kindes ist für Eltern etwas ausgesprochen Schweres.
Gleich, ob durch Krankheit bedingt, oder aber auch durch plötzlichen Tod,
im aller ersten Moment wird dieser Verlust als nicht "gerecht" empfunden.
In unserem Selbstverständnis gibt es eine "Reihenfolge". Kinder sterben nicht vor ihren Eltern.
Hierbei spielt es kaum eine Rolle, ob es sich bei den Kindern um Kleinkinder, Jugendliche oder schon Erwachsenen handelt. Für Eltern ist dies eine komplett aus der Ordnung gerissene Folge.

Auch ist für die Empfindung ausschlaggebend, ob das Kind erkrankt war, ob hier ein erlösender Moment empfunden werden kann und/oder ob bereits der Gedanke an ein bevorstehendes Ableben zugelassen wurde.
Wenn beide Elternteile fähig sind, darüber zu reden und sich ihre Gefühle und Ängste mitteilen können, ist ein gutes Fundament geschaffen, um mit dem Verlust umgehen zu lernen.

 

Stirbt ein Kind plötzlich, ohne Vorwarnung, ohne Ankündigung, werden Familien regelrecht aus der Bahn geworfen. Eine erhoffte und für "normal" geplante Zukunft bricht mit einem Mal auseinander. Die Regelstruktur, die uns vorgelebt wird und die wir als unsere angenommen haben, wird auf den Kopf gestellt. Nichts scheint mehr seinen Gang zu gehen. Nichts ist in der Bahn, in der es sein sollte. Nichts wird mehr so sein, wie bisher. Das sind die ersten Empfindungen, die zwischen Emotion und Verstand aufkommen: es gibt keine "heilige" Ordnung mehr.

Dazu kommen dann Enttäuschung, Wut, Selbstvorwürfe, Selbstmitleid und auch Furcht vor dem, was nun alles noch kommen kann.

  • Enttäuschung über den Verlust einer geplanten und vielleicht für schön empfundenen Zukunft.
  • Wut über eine Situation, die keiner will.
    Wut auf den, der gegangen ist, ohne die Möglichkeit geboten bekommen zu haben, zusammen in der Zukunft leben und erfahren zu können.
    Wut auf den, der evtl. Schuld haben könnte. Und Schuld zuweisen ist etwas Erleichterndes in dieser Trauerphase.
  • Selbstvorwürfe,
    weil evtl. Ausgesprochenes bereut wird,
    weil Unausgesprochenes bewusst wird,
    weil scheinbar verlorene Zeit so erdrückend sichtbar wird,
    weil man noch so Vieles hätte gemeinsam machen wollen und sollen, und auch
    weil vielleicht Vieles versäumt wurde und unterlassen wurde, was wichtig gewesen wäre,..... hätte man doch gewusst, was kommt.
  • Das Selbstmitleid taucht dann auf, wenn an eigenes Verlorenes gedacht wird;

Diese Gefühle treten häufig auf, nicht bei jeder trauernden Person, nicht immer zusammen und auch nicht unbedingt in der hier aufgeführten Reihenfolge. Die Intensität der Gefühle wird ebenso unterschiedlich durchlebt.

Eltern trauern, wie andere auch, unterschiedlich. Und gerade diese Unterschiedlichkeit macht es Paaren oft sehr schwer.
Mütter trauern anders als Väter. Frauen sind emotional stärker im Ausdruck, als es Männer zulassen. So kommt es nicht selten zu Unverständnis dem anderen Partner gegenüber. Aus diesem Grund bedeutet der Verlust eines Kindes oftmals eine harte "Zeit" für eine Partnerschaft.
Ein wichtiger Aspekt ist hier das Aufmerksamwerden über die Unterschiedlichkeit von Trauer, die Nichtwertbarkeit einer persönlichen Trauer.
Es muss unbedingt erkennbar werden, dass der Partner, die Partnerin evtl. anders trauern wird: Und in diesem Zusammenhang, dass dies nicht gegen den Partner ist oder gar gegen den Tod des Kindes.
Eine Akzeptanz ist nur schwer auszuhalten: eigene Empfindungen werden als die scheinbar einzig wirklichen empfunden, die Trauer der anderen dann als nicht trauernd. Vorwürfe werden ausgesprochen oder aber nicht ausgesprochen kundgetan durch Rückzug, Ausweichen, körperliche Ablehnung oder auch Aggressivität.
Die erforderliche und erhoffte Stütze durch den Partner kann kaum geleistet werden. Niemand kann sich auf einen Menschen stützen, wenn dieser selber einer Stütze bedarf.1

 

Eltern und jüngere Kinder

Wenn Eltern trauern, über welchen Verlust es auch sei, dann bekommen dies die eignen Kinder mit. Unruhe, Veränderungen und auch Emotionen werden vor den Kindern nicht verheimlicht werden können. Dies sollte auch gar nicht geschehen.
Kinder haben ein sensorisches Feingefühl, wenn es um Schwankungen im Verhalten und Leben der Eltern geht.
Für Eltern wird es dann schwierig. Stellen sie sich den Fragen der Kinder, so müssen sie sich selbst über Antworten bewusst werden. D.h. sie müssen Antworten finden, vielleicht auch über Themenbereiche, die sie selbst für sich noch nicht zugelassen und erarbeitet haben. Die eigene Auseinandersetzung mit der Thematik Sterben, Tod und Trauer müsste dann genau hier angegangen werden. Ob aber zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden, die dann auch noch kindgerecht weiter gegeben werden können, ist dahingestellt. Schon der Gedanke, Fragen von Kindern beantworten zu müssen, erschreckt so manches Elternteil. Denn, und das wissen gerade Eltern, Kinder können sehr intensiv fragen und auch sehr nachhaltig. Wenn sie dann für sich selbst noch keine Antworten gefunden haben, wird es geradezu unmöglich, Kindern befriedigende Antworten geben zu können.

Ein Zurückschrecken vor Kinderfragen wird dann deutlich, wenn es um den Tod geht. Hier dann vor allem der Bereich, was nach dem Tod kommt. Sind sich Erwachsene selbst nicht sicher, was sie glauben, was nach dem Tod geschieht, dann wird es kaum möglich sein, einem Kind entsprechend Antworten zu geben.
Schnell werden dem Kind Dinge genannt, die ohne Überlegung schnell Probleme aufwerfen können.
So wird es schwierig werden, wenn einem Kind erklärt wird: "der Opa schläft jetzt ganz fest".
Wie sieht es dann aus, wenn diesem Kind bewusst wird, der Opa wird nicht mehr wach, nie mehr. Wie gehen Eltern damit um, wenn das Kind nun Angst bekommt, ins Bett zu gehen, weil es fürchten muss, auch nie wieder wach zu werden.

Ein weiteres Beispiel sind Antworten, die dem Kind erklären, dass Oma nun vom Himmel aus Alles beobachten kann. Kommt nicht der Zusatz, dass sie vielleicht schützend beobachtet, kann schnell ein Kontrollieren angenommen werden.
Manche Eltern nehmen diese Erklärung später gern auf, um Druck auszuüben. Dies geschieht nicht immer bewusst, aber es ist recht schnell ausgesprochen. Was aber, wenn dieses Kind sich nun sehr bildlich vorstellt, dass die Oma von oben zuschaut und sich kaum noch traut, sich frei zu bewegen oder zu handeln.

Für Kinder wird es ganz schwierig, wenn die verschiedenen Bezugs Personen unterschiedliche Bilder benennen. Oma spricht davon, dass der Opa im Himmel ist. Papa erklärt, der Opa ist nun in der Erde. Die Erzieherin im Kindergarten spricht davon, dass Tote Engel werden, die bei uns sind.....

 

Hier wurde ein extra Themenpunkt eingerichtet:

siehe: Trauer .......bei Kindern
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1 vgl.Schiff, S. Harriet, Verwaiste Eltern, Kreuz-Verlag 1977, S. 92ff

zuletzt geändert am  29.08.2016

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

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