Viele Menschen kennen Trauer - viele Menschen sprechen über Trauer.
Was aber ist Trauer?
Warum trauert ein Mensch?
Was geschieht, wenn wir trauern?

Trauer ist eine Reaktion auf Verlust.
Verluste erleben wir tagtäglich.
Die kleinen Verluste, wenn etwas zu Bruch geht, das wir benötigen oder gern haben.
Die etwas größeren Verluste, wenn wir jemanden in den Tag verabschieden, oder in einen wochenlangen Urlaub weit weg.
Es können alltägliche Dinge sein, wie ein Pullover, den wir lieben, der wie ein Glücksbringer wirkt, in dem wir uns angenehm und schön fühlen. Irgendwann ist dieser Pullover verwaschen, wir sind herausgewachsen, der Stoff hält nicht mehr.
Mancher mag über ein solches Beispiel schmunzeln, doch denken Sie an Ihren Lieblingspulli als Kind, oder an Stofftiere und Spielzeug.
Sich von diesen Dingen trennen ist oft nicht einfach. Wir vermissen. Ein Zeit lang tut es weh?

Trauer also nennen wir die Reaktion auf Verlust. Das, was wir erleben, wenn wir etwas oder jemanden haben verabschieden müssen.
Trauer bedeutet aber nicht ausschließlich das Gefühl der Traurigkeit. Vielmehr verbirgt sich dahinter eine Anzahl verschiedener Gefühle, die schwanken und nur selten kontrollierbar sind.
Furcht, Sorge, Wut, Angst, Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Verlassenheit,....aber auch Erleichterung, Befreiung, Erlösung, Freude ....werden erlebt.

Diese Gefühle suchen uns regelrecht heim, nehmen Besitz von uns, füllen uns aus, lassen uns nicht in Ruhe, ergreifen uns...
und überfordern nicht selten.

Trauer wird als Prozess durchlebt. Der Verlauf dieses Prozesses ist ähnlich doch auch sehr persönlich zu sehen.
Jeder Mensch erlebt diesen Prozess für sich selbst, und auch wenn es Ähnlichkeiten mit anderen Personen gibt, ist er individuell.

Gefühle, Fragen und Lebenseinstellungen stehen in diesem Prozess im Mittelpunkt.

In erster Linie sind sie Reaktion auf ein Erlebnis, eine Erfahrung, die mit Abschied in Verbindung steht.

Wie bereits beschrieben, können Abschiede im Kleinen und im Endgültigen erlebt werden.
Trennungen, Wegzug und das Ende einer Freundschaft werden als Abschied erlebt, aber eben auch der Tod eines Menschen.

Wenn ein uns nahe stehender Mensch weg zieht, in weite Entferung, "unerreichbar", dann schmerzt dies.
Eine Freundschaft, die auf die Probe gestellt steht. Hält sie die Entferung aus? Kann diese Beziehung andauern?
Wie schwer fällt es einem Kind, wenn der Freund in eine andere Stadt zieht?
Wie schwer fällt es uns Erwachsenen, selbst in der heutigen Zeit der Kommuniokationsvielfalt?

Ein endgültiger Abschied ist der Tod eines Menschen.
Aus dem Leben verabschiedet!
Dies ist eine intensive Verlusterfahrung, da wir in ein Unbekanntes verabschieden!

So heftig, wie wir den Abschied Tod erfahren, so gestüm stellen sich unsere Gefühle und Gedanken, unsere Fragen ein.

Um das also abzurunden:
Trauer ist all das, was sich auf diese Verlusterfahrung einstellt:

  • alle Hochs und Tiefs, die Achterbahn aller Gefühle und Fragen.
  • eine Leere, die uns füllt
  • das Hin-und-Her-Gerissen-Sein zwischen der scheinbaren Lähmung und dem Drang danach, etwas tun zu müssen
  • der Wunsch zu reden, zu erzählen, sich mitzuteilen und dann das Gefühl, die Nähe eines anderen Menschen, seine Gegenwart nicht zu ertragen
  • lieber allein sein wollen, sich zurück ziehen, sich verstecken wollen, wechselt sich ab mit der Suche nach Weite und Freiheit
  • Tränen und unendlich tiefer Schmerz werden zeitweise von Lachen und dann sich einstellendem Gewissen überrollt
  • ein Hoffnungsschimmer und gleichzeitige Angst und Sorge.
  • ......


Jeder erlebt seine ganz individuelle Trauer.
Niemand kann unsere persönliche Trauer genauso erleben.
Und auch wir können die Trauer anderer nicht leben, selbst wenn wir es wollten oder versuchten.

Trauer ist einmalig und persönlich.

 

 

Trauer ist nicht nur erlaubt - Trauer ist Not-wendig!
Nur wenn wir sie zulassen, annehmen, durchleben, dann kann sich etwas verändern...sich die Not wenden!

Viele von uns sind in der Gesellschaft groß geworden, in der Tod ein Tabuthema geworden ist.
Wenn früher die Menschen zuhause starben und dort verblieben, um von ihnen Abschied zunehmen, sich noch einmal nah zu sein, zu beten, einfach neben dem Verstorbenen zu sitzen, wenn Verwandte, Freunde und Nachbarn kamen...
..dann wurde miteinander diese Erfahrungen geteilt.
Alt und Jung erlebten, dass der Tod zum Leben gehört und dass die Gefühle und Fragen ihren Raum haben dürfen.
Sie erlebten gemeinsam, weinten gemeinsam, fragten gemeinsam.....
So lernten die Kinder den Umgang mit dem Tod und den damit verbundenen Reaktionen.
Niemand versteckte sich - jeder erfuhr in den anderen Unterstützung.

Heute hat sich da vieles verändert.
Sterben und Tod sind oftmals aus dem Leben ausgelagert.
Es gibt viele Gründe dafür, die hier nicht erörtert werden müssen.

Mit der Auslagerung aus dem eigenen Leben, hinein in eine Welt des Sterbens, haben wir unseren Bezug dazu ebenfalls verlagert.
Es gibt Orte, an denen das Sterben dazugehört, aber auch Orte, an denen es fremd und störend wirkt.
Im Alltag des Lebens fehlt dieser Teil und somit wurde das Leben zu einem Ort des Strebens nach Vorwärtskommen, Funktionieren, Gut-sein, Schnell-sein.....Der Tod hindert daran, und die Reaktion auf Tod macht Unfähig, sich dem Treiben des Lebens anzuschließen.

So schlossen wir das Sterben, den Tod und die Reaktion darauf aus dem Leben aus.
Es ist also kein Desinteresse, eher eine heutige Unkenntnis und ein Ungeübtsein.
Daraus resultieren Unsicherheit und auch Furcht über das ganz sachliche Geschehen und vor allem den Umgang mit den dann aufkomenden Reaktionen, die menschlich und natürlich sind.
Kein Mensch setzt sich gern einem Thema aus, das eigene Grenzen so sichtbar macht.

Die Trauer überrennt einen Menschen dann häufig.
Trauer geschieht, wir suchen uns das nicht aus, oder können es gar abstellen.
Doch wer in Trauer lebt, befindet sich in einer Ausnahmesituation - die Ausnahme vom Leben, vom Dabeisein.

Diese ungewöhnliche und doch so normale Belastung, heißt es zu erkennen und anzuerkennen.

Wer sich verweigert, seine Gefühle anzunehmen, versucht sie zu verdrängen, löscht sie nicht aus.
Trauer will und muss durchlebt werden, dass sie Not-wendent wirken kann.

Doch es bedarf der Menschen im Umfeld, dies ebenfalls zuzulassen und wertfrei zu begleiten.

Der Prozess Trauer wurde von der Wissenschaft betrachtet.
Es gibt Muster, die Ähnlichkeiten aufzeigen und es gibt darin Erklärungen für all das, was Menschen erleben, durchleben.
Lesen Sie hierzu gern den Abschnitt: Trauerprozess

zuletzt geändert am  07.02.2019

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

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