Machen wir uns Gedanken über das Weinen!.....
 

  • Indianer weinen nicht!
  • Sei stark, du bist doch keine Memme!
  • Wenn du weinst, dann sieht man dir das noch später an!
  • Weinen ist nicht schön! Mach das in deinem stillen Kämmerlein.
    Das muss doch niemand mitbekommen.
  • Weinen bedeutet Schwäche!
  • Stell dich nicht so an.

Diese und viele andere Sätze, kennen wir alle.
Die meisten von uns haben wenigstens einen dieser Sätze schon gehört.

Doch, was machen wir mit diesen Sätzen?

Irgendwie setzt sich ein solcher Satz fest  - tief in uns.
Ob wir das wollen oder nicht. Es geschieht.

Bloß nicht vor anderen weinen!  Besser ist, gar nicht zu weinen!

Ich lade Sie nun ein, einmal darüber nachzudenken:
Warum weinen wir?            
Was passiert, wenn wir weinen?

Warum weinen wir?

Unter "wikipedia.de" können wir Folgendes lesen:

"Weinen ist ein unspezifischer emotionaler Ausdruck, der der Mimik zugeordnet wird und der oft, aber nicht immer, mit Tränenfluss einhergeht. Weinen ist nicht an eine bestimmte Emotion gebunden, kommt aber beispielsweise häufig bei Schmerz, Trauer, Angst oder Ärger vor. Teile der Wissenschaft gehen davon aus, dass der Mensch das einzige Lebewesen der Erde ist, das emotional bedingt weint.

Ursache und Funktion 
Es ist substantieller Inhalt aktueller Forschung, dass eine Vielzahl emotionaler Reaktionen wie beispielsweise Trauer oder physisch/psychischer Schmerz das Weinen hervorrufen, genauer jedoch welche Schutzfunktion dieses für den menschlichen Organismus hat. Es existieren verschiedene Theorien, warum Menschen weinen, eine eindeutige Antwort konnte die Wissenschaft jedoch bis heute nicht liefern.
Einige Studien zum Weinen gehen davon aus, dass Weinen ein Sozialverhalten ist, das die Funktion hat, andere Mitglieder einer sozialen Gruppe auf ein Ereignis aufmerksam zu machen oder vor einer Gefahr zu warnen, da die Gefühlsreaktion des Weinens auch die Kenntnis eines Einzelnen von einem schwerwiegenden Ereignis ausdrücken kann und bis heute eine Art "Mitfühlreflex" auslöst, der im Allgemeinen zur Folge hat, dass sie über die Ursache dieser Reaktion bei einem einzlenen Mitglied der Gruppe in Kenntnis gesetzt werden. 
Als archetypische Ausdrucksform wird das Weinen von allen Menschen verstanden, da es in Kombination mit der dazugehörigen Mimik (starke Freude oder ausgeprägte Trauer/Unsicherheit) den Beteiligten eine eindeutige Zuordnung des Verhaltens ermöglicht. Das Weinen kann auch Ausdruck ausgeprägter Freude sein, so zum Beispiel die "Freudentränen", die als Reaktion von heftigem Lachen infolge von für den Betrachter außerordentlich lustigen Situationen zu verstehen sind. bei manchen Menschen kann auch ein anhaltender,eindringlicher Blickkontakt Tränen auslösen."

 

Ob Wut, Angst, Freude, Glück oder Trauer, das Weinen ist also eine Reaktion und eine Form des Ausdrucks unserer Gefühle.

Wir weinen oftmals erst, wenn das Gefühl überhand nimmt, zu groß wird, es uns so ausfüllt, dass es heraus muss, nicht mehr "unterdrückt" werden kann. Manche Menschen beginnen sich so körperlich "abzureagieren", andere "schwappen über".

Wir lassen also unseren gestauten Gefühlen freien Lauf...oder aber sie drücken aus uns heraus und wir können sie nicht mehr aufhalten.

Was bewirkt Weinen?

Rufen wir uns hervor, wann wir zuletzt Tränen freien Lauf gelassen, dem Gefühl nachgegeben haben, es haben aus uns ausbrechen lassen, dann ist es für viele eine Erinnerung:

Befreiung, Entspannung, körperlicher Kraftaufwand mit Erschöpfung, ein Lösen von Druck....

Abgesehen von der Reaktion, die unser Weinen bei evtl. anderen Anwesenden hervorruft, wir Weinenden erleben unsere Tränen letztendlich als etwas, das hilft!

Weinen befreit, tut gut, nimmt all die Anspannung!

                Warum also, lassen wir dieses Weinen nicht zu?                                                   

Nur, weil andere nicht damit umgehen können? 
Nur, weil es andere peinlich berührt? 
Nur, weil es anderen ebenfalls die Tränen in die Augen treibt?

Die Aussage, dass Weinen Schwäche bedeutet, ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Wenn wir weinen, dann sind wir nicht voll einsatzfähig, dann sind wir eingeschränkt in Denken und Handeln. Damit sind wir für die Gesellschaft und deren schierem Bedürfnis nach Vollständigkeit, Schnelligkeit, Lebensfähigkeit, Funktionsfähigkeit,...nicht "brauchbar" und somit also schwach.

Doch eigentlich müssten wir erkennen: Weinen ist eine Stärke!

Weinen ist eine emotionale Fähigkeit unseres Lebens. Wenn wir fühlen, wenn wir unsere Gefühle wahrnehmen, annehmen und damit umgehen lernen, dann werden wir Menschen, die lebensfähig sind...die eine eigene Apotheke in sich tragen. Denn Weinen ist wie Medizin - es löst, befreit und beruhigt, es nimmt für einen kurzen Zeitraum den Schmerz.

Weinen ist eine Ressource unseres Lebens!

Wenn wir Erwachsene unseren Kindern die Fähigkeit des Weinens verwehren, dann nehmen wir ihnen die Chance auf ein gesundes Leben.

Somit ist es an uns, ob wir unsere Tränen vor unseren Kindern verstecken oder ihnen kindgerecht nahe bringen, welche Möglichkeiten wir mit unseren Tränen erleben können. Denn wenn wir unsere Tränen verstecken, erfahren Kinder, dass auch sie nur im Verborgenen weinen "dürfen". Es wirkt auf sie wie der Hinweis: Weinen ist etwas, das man nicht offen zeig.

Nehmen wir unseren Kindern nicht die Chance auf ein gesundes Leben. Schaffen wir einen vertrauten Boden, auf dem die Kinder lernen und ausprobieren können, ihre Gefühle zu erkennen, einzusortieren und damit umzugehen.

Gerade, wenn ein Mensch gestorben ist, treten Erwachsene oft an mich heran und erzählen mir ihre Sorge, dass ihre Kinder nicht weinen...sie sich Gedanken machen, ob mit den Kindern alles "stimmt"...sie auch trauern. Und ich stelle dann sehr häufig die Frage, ob die Kinder die Erwachsenen in ihrem Umfeld denn weinend erleben oder diese das vor den Kindern verstecken.

Wie sollen Kinder einen offenen Umgang mit Gefühlen lernen, wenn nicht von uns Erwachsenen? Das größte Lernfeld von Kindern ist das Erleben, das Mitleben, das Erfahren.....nehmen wir es unseren Kindern nicht...sondern trauen wir uns und ihnen zu, Gefühle, ihren Audruck und den Umgang damit zu erlernen...gemeinsam....

Und das gilt nicht nur für das Weinen....sondern für all unsere Gefühle...und wir haben reichlich davon....Gefühle, die wie ein Barometer sind...für uns und auch die, denen wir begegnen.

 

 

 

zuletzt geändert am  07.02.2019

Portrait

Gabriele Kniesburges
Dipl. Religionspädagogin
Gemeindereferentin
Trauerbegleiterin
Krankenhausseelsorge

E-Mail: gabykniesburges@gmail.com

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